Vortragende 2021

Mag. Dr. Robert Brodschneider

Institut für Biologie, Bereich Zoologie, Universität Graz

Foto: Fabian Alber

Robert Brodschneider ist Lehrbeauftragter und Forscher am Institut für Biologie der Karl-Franzens-Universität Graz. Sein Forschungsgebiet umfasst soziale Insekten, vor allem die Honigbiene. Sein Forschungsinteresse liegt in der Ernährung der Honigbiene, Winterverluste von Bienenvölkern sowie Honigbienen zur Untersuchung von Umweltbelastungen. Seine Zusammenarbeit mit Imker*innen hat zur Einführung von Citizen Science in die Forschung an der Honigbiene geführt, wodurch sich großräumige Untersuchungen zur Völkersterblichkeit und der Umweltfaktoren der Honigbiene ergeben haben.

Honigbienen als Umweltspürnasen

Honigbienen (Apis mellifera) sammeln Nektar und Pollen rund um ihr Nest. Dabei kommen sie auch mit vom Menschen ausgebrachten Umweltbelastungen in Berührung, und bringen diese mit ins Nest. In diesem Kurzvortrag zeige ich, wie Honigbienen dafür genutzt werden können, Informationen über unterschiedliche Umweltbelastungen mit Hilfe von Honigbienen als Umweltspürnasen zu sammeln. Dazu müssen auch die folgenden zwei Fragen geklärt werden: 1. Wie weit fliegen Honigbienen beim Sammeln? 2. Welche Umweltverschmutzungen können diese aufnehmen und nach Hause bringen?


Assoz.-Prof.in Priv.-Doz.in DDr.in Daniela Haluza

Zentrum für Public Health der Medizinischen Universität Wien (MeduniWien)

Foto: MedUniWien

Daniela Haluza ist Fachärztin für Hygiene und Mikrobiologie und arbeitet am Zentrum für Public Health der Medizinischen Universität Wien (MeduniWien) als habilitierte Public Health-Expertin mit einem Forschungsschwerpunkt im Bereich Umweltmedizin. Sie hat Humanmedizin und Angewandte Medizinische Wissenschaften studiert und eine Zusatzausbildung in Open Innovation in Science absolviert. Ihr besonderes Interesse gilt dabei der evidenzbasierten Forschung und der positiven Gesundheits- und Wissenschaftskommunikation. Die von ihr gegründete Forschungseinheit Green Public Health erforscht schon seit über 10 Jahren, wie Stadtbegrünungen und Waldlandschaften zur Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden beitragen. Derzeit leitet sie an der MeduniWien zahlreiche Forschungsprojekte zu Natur und Gesundheit – ganz aktuell das europaweite Projekt „Dr. Forest: Baumdiversität und Gesundheit“ (https://www.dr-forest.eu/). In diesem spannenden Projekt erforscht ein EU-weites Forschungskonsortium aus den Bereichen Ökologie, Medizin, Biologie und Forstwissenschaft die gesundheitsfördernde Wirkung von unterschiedlichen Waldkulturen. Zum Beispiel wird untersucht, inwieweit Klangvielfalt – zum Beispiel Geräusche durch Vögel, Frösche oder Heuschrecken – in artenreichen Wäldern die Erholung und die Verminderung von Stress beim Menschen beeinflusst.

Waldbaden – ein belebendes Bad ohne Wasser und Seife

Gehst Du noch wandern oder badest Du schon im Wald? Wir haben alle schon erlebt, dass uns der Aufenthalt in der Natur entstresst, inspiriert und die Laune hebt. Was ist aber wirklich dran an diesem neuen Wellness-Trend „Waldbaden“, also das bewusste Erleben der Natur? Was sagt die Wissenschaft über die Wirkung von Natur auf Körper, Geist und Seele? Erfahre Erstaunliches über das Waldbaden, was dabei zu beachten ist und wie es Gesundheit und Wohlbefinden wirken kann.


Dr. Josef Hemetsberger

Josef Hemetsberger ist langjähriger Mitarbeiter und stellvertretender Leiter der Konrad Lorenz Forschungsstelle, Core Facility für Verhaltens- und Kognitionsbiologie der Universität Wien in Grünau im Almtal. Der promovierte Biologe und Ornithologe beschäftigt sich zum einem mit dem Langzeit-Monitoring der Graugansschar, welche einst Konrad Lorenz im Almtal ansiedelte, zum anderen mit der Vogelberingung. Dabei werden wildlebende Vögel, sowohl Brutvögel als auch Durchzieher gefangen, bestimmt, vermessen und beringt und anschließend wieder freigelassen. Dabei beteiligt er sich am internationalen Programm „Integriertes Monitoring von Singvogelpopulationen“ (IMS). Das Projekt beinhaltet die Erfassung der jährlichen Fortpflanzungsrate und der jährlichen Überlebensrate durch standardisierten Netzfang. Außerdem begleitet er zahlreiche Exkursionen der Universität Wien.

Mag. Stephan Weigl

Foto: Anna Weigl

Geboren 1963 in Linz; 1982-88 Studium der Biologie/Zoologie in Salzburg; seit 1990 am Oberösterreichischen Landesmuseum als Leiter des naturwissenschaftlichen Ausstellungsreferats und der zoologischen Präparation, ab 2013 Leiter der Sammlung Wirbeltiere und seit 2018 interimistischer Leiter des Bereichs Naturwissenschaften/Biologiezentrum (ab 2020 Teil der OÖ Landes-Kultur GmbH). Schwerpunkte des persönlichen Interesses liegen auf der Ornithologie und Tierpräparation, was sich auch in zahlreichen Reisen, vor allem nach Südostsibirien, niederschlug, wo es zur fachlichen Zusammenarbeit mit der Universität und dem Naturkundemuseum in Ulan-Ude/Burjatien kam. Seit 2004 Juror für nationale und internationale Präparatoren Wettbewerbe.

Norbert Pühringer

Foto: privat

Neben der Arbeit in einer kleinen Landwirtschaft im Almtal ist Norbert Pühringer schwerpunktmäßig freiberuflich im Natur- und Artenschutz in Oberösterreich tätig. Als Autodidakt ist er seit seiner Jugend in der Ornithologie aktiv, u. a. durch die Mitarbeit an allen drei Brutvogelatlanten Oberösterreichs, zuletzt maßgeblich am „Atlas der Brutvögel Oberösterreichs 2013-2018“ (wissenschaftliche Redaktion und Koordinierung). Die ornithologischen Interessen sind sehr breit gestreut, allerdings mit Schwerpunkten bei den Wald- und Gebirgsvogelarten (Schwarzstorch, Raufußhühner, Eulen, Spechte u. a.). Ein weiteres wichtiges Betätigungsfeld ist außerdem die Vogelfotografie und damit verbunden eine rege Publikations- und Vortragstätigkeit.

Die Bedeutung analoger naturwissenschaftlicher Sammlungen im digitalen Zeitalter

Vor mehr als 200 Jahren wurde mit der Anlage naturkundlicher Sammlungen begonnen, die auch heute noch gepflegt und vermehrt werden. Niemand wusste damals, wie Vererbung funktioniert oder was DNA ist, noch konnte man ahnen, was in Zukunft für ausgeklügelte Labormethoden zur Verfügung stehen werden. Dennoch wurde weiter gesammelt und konserviert. Was diesen Aufwand heute noch rechtfertigt und was das mit Biodiversität und Klimawandel zu tun hat, soll im Vortrag aufgezeigt werden. Als Beispiel dienen die umfangreichen naturkundlichen Sammlungen des Biologiezentrums der OÖ Landes-Kultur GmbH, vormals Oberösterreichisches Landesmuseum.


Matthias Loretto MSC PhD

Technische Universität München, Nationalpark Berchtesgaden

Foto: Andrius Pašukonis

Matthias Loretto ist ein österreichischer Verhaltensbiologe, der sich besonders für Interaktionen zwischen Tieren und den Auswirkungen des Menschen auf Tiere interessiert. Während seiner Doktorarbeit an der Konrad Lorenz Forschungsstelle, stattete er Kolkraben erstmals mit GPS-Sendern aus, um deren Bewegungsökologie in den Alpen zu untersuchen. 2019 wechselte er ans Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie in Radolfzell am Bodensee und erforschte die Beziehungen zwischen Kolkraben, Wölfen und Pumas im Yellowstone Nationalpark. Kurz nach Pandemiebeginn gründete er mit Kollegen die COVID-19 Bio-logging Initiative um die Effekte des COVID-19 Lockdowns auf die Tierwelt zu untersuchen. Im Juni 2021 wechselte er an der Technischen Universität München und leitet seither die Wirbeltierforschung im Nationalpark Berchtesgaden.

Die Anthropause - Effekte des COVID-19 Lockdowns auf die Tierwelt

Um die Ausbreitung der COVID-19 Pandemie einzudämmen, wurde seit 2020 in vielen Ländern die Bewegungsfreiheit der Bevölkerung teils wiederholt eingeschränkt. Besonders im ersten Lockdown kam es vielerorts zu einer massiv verringerten menschlichen Aktivität - eine Veränderung für die der Begriff „Anthropause“ geprägt wurde. Teilweise schienen sich diese Beschränkungen auch auf die Natur auszuwirken und führten in sozialen Medien zu zahlreichen Beiträgen über ungewöhnliche Begegnungen mit Wildtieren in Ballungsräumen. Gab es tatsächlich eine rasche Verhaltensanpassung auf temporär menschenleere Räume, oder sind das nur Anekdoten basierend auf einer gesteigerten Aufmerksamkeit beispielsweise am Vogelhäuschen im Garten während des Home Office?


Dr. Georg Rauer

Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie, Veterinärmedizinische Universität Wien

Foto: privat

Georg Rauer ist seit 2007 am Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der Veterinärmedizinischen Universität Wien angestellt, davor war er Mitarbeiter des WWF Österreich bzw. freiberuflicher Biologe. Die telemetrische Verfolgung der Bären im Wiederansiedlungsprojekt des WWF war 1989 sein Einstieg in die Beschäftigung mit großen Beutegreifern. Fragen des Managements traten bald in den Vordergrund. Ab 1995 bzw. 2012 übernahm er in Abstimmung mit der Länderübergreifenden Koordinierungsstelle für den Bären, Luchs und Wolf die Aufgaben des Bärenanwalts und Wolfsbeauftragten gemäß ihrer Definition in den entsprechenden Managementplänen. Seit 2019 ist er Berater des von Bund und Ländern neu gegründeten Österreichzentrum Bär, Wolf, Luchs.

Bär, Wolf, Luchs in Österreich. Unter Beobachtung für Wissenschaft und Management

Naturschutz kann erfolgreich sein. Die drei großen Beutegreifer, viele Jahre verfolgt und lokal ausgerottet, nehmen einen ungeahnten Aufschwung in Europa. Österreich ist nicht an vorderster Front dieser Entwicklung –  Bären beschränken sich noch auf die Vorhut allein aus Männchen, Wölfe konnten erst ein paar Rudel gründen und Luchse sind generell nur langsame Kolonisatoren – dem Wandel können wir uns nicht verschließen. Freude über die Bereicherung ist eine Seite der Medaille, Sorge vor Problemen für Landbewirtschafter die andere. Das Zusammenleben mit großen Beutegreifern in der Kulturlandschaft braucht ein lenkendes Management. Dafür ist z.B. notwendig zu wissen, wo die Arten in welcher Zahl vorkommen, welche Habitate sie bevorzugt aufsuchen und welche Umstände Probleme fördern oder hintanhalten können. Wissenschaftliche Methoden zur Beantwortung dieser Fragen sind unter anderem GPS-Telemetrie, DNA-Analysen, Habitatmodelle sowie die Untersuchung der Zugänge verschiedener Bevölkerungsgruppen zur Frage, wie mit den betreffenden Arten umgegangen werden soll. Wissenschaft kann die politische Frage, ob und wie wir mit Bär, Wolf und Luchs zusammenleben wollen, nicht beantworten. Sie kann aber das Rüstzeug für die Ausformung und Überprüfung der notwendigen Managementmaßnahmen zur Verfügung stellen.


Mag. Dr. Johannes Weidinger

Kammerhofmuseum Gmunden, Gastprofessor an den Universitäten Wien und Salzburg sowie an der PH Linz

Foto: privat

Johannes Thomas Weidinger ist seit 2019 Leiter des Kammerhof-Museums-Gmunden. Dort besetzt er eine wichtige vermittelnde Stelle zwischen internationaler Wissenschaft, lokaler Forschung und der Wissensvermittlung in Form von Veröffentlichungen und Ausstellungen zu naturkundlichen und kulturellen Themen.
Er ist Spezialist für Massenbewegungen, was durch zahlreiche Projekte und Publikationen in angesehenen Fachzeitschriften reflektiert wird. Weiters hat sich Weidinger mit der Bearbeitung der Gschliefgraben-Rutschung und mit der Organisation von mehreren Fachtagungen und Edition von Büchern über dieses Thema einen Namen gemacht. Er ist Lektor bzw. Gastprofessor an den Universitäten Wien und Salzburg sowie an der PH Linz, versucht aber auch, sein Wissen verständlich für die Allgemeinheit und insbesondere für Schulkinder und Jugendliche aufzubereiten.

Es bleibt kein Stein auf dem anderen

Naturprozesse richtig zu erfassen bedeutet nicht nur die Formen der Landschaft zu verstehen und Ihre Entstehung richtig zu deuten: es gilt auch die oft recht bunten Ablagerungen an der Erdoberfläche, in Form von Gesteinen und Sedimenten richtig zu deuten und zu interpretieren.
Anhand von Gesteinsproben und diversen kleineren Experimenten, soll bei diesem Junior Biologicum versucht werden, die „Sprache der Gesteine“ richtig zu verstehen, um sinnvolle Schlüsse daraus zu ziehen!