Die Akademie der Spiele in Grünau im Almtal bietet zwei einwöchige Workshops an, die von diesen renommierten Persönlichkeiten geleitet werden:

  • Parastou Forouhar, in Teheran/Iran, geborene und heute in Deutschland lebende Künstlerin und Aktivistin
  • Manuel Gorkiewicz, Künstler, der an der Akademie der bildenden Künste in Wien sein Studium der Malerei und Grafik abgeschlossen hat und an der dortigen Universität Sozialanthropologie und Philosophie studierte

Inspirationsquelle

Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716), der universale Geist seiner Zeit, entwickelte die Idee des Gedankenspiels. Er argumentierte, dass das Staunen und Wundern über Dinge und Prozesse essenziell für das Lernen sei und dass das Zusammenspiel mehrerer Disziplinen deren Kapazitäten erweitern kann.

Seine Vision eines umfassenden Weltschauraums übertitelte der Gelehrte als Gedankenscherz (Drôle de pensée), obwohl es ihm damit genauso ernst war, wie mit seinen Bestrebungen zur Gründung einer Wissenschaftsakademie.

1675, der Gelehrte lebt in Paris und wohnt einer erstaunlichen Vorführung auf der Seine bei, wo eine Apparatur vorgeführt wird, die es ermöglicht, auf dem Wasser zu laufen. Aufgewühlt von diesem Spektakel läuft er nach Hause und schreibt einen enthusiastischen wie chaotischen Text, in dem er seine Vorstellungen einer Akademie der Spiele entwirft. Er ist überzeugt davon, dass dem Staunen und Wundern eine produktive Kraft innewohnt und so wünscht er sich eine populäre Ausstellung mit Kuriositäten, faszinierenden Automaten und Maschinen, mit Tierdressuren, Theateraufführungen und Feuerwerken, mit Spielen, mit Kunst- und Raritätenkabinetten, mit Glücksspielen und Lotterien. Hier nimmt die Universalwissenschaft, die Leibniz vorschwebt, eine populäre Gestalt an, hier wird deutlich, dass er einen Diskursraum für »alle Wissbegierigen« anstrebt – und diesen dienstbar machen will für die Zukunft der Wissenschaften und damit der Welt. Im Kern dieser Überlegungen gelten das Wahrnehmen und Erkennen und – eben auch das Beobachten – als Prinzipien und Voraussetzungen für kreatives Schaffen.

Mitwirkende

Heiner Goebbels

Komponist und Theatermacher, geb.1952, lebt seit 1972 in Frankfurt/Main; Studium der Soziologie und Musik. Szenische Konzerte, Hörstücke, Kompositionen für Ensemble und großes Orchester (Surrogate Cities, 1994, A House Of Call 2021). Seit Beginn der 90er Jahre Musiktheaterwerke: Ou bien le débarquement désastreux (Paris 1993), Schwarz auf Weiss (Frankfurt, 1996), Max Black (Lausanne, 1998), Eislermaterial (München,1998), Landschaft mit entfernten Verwandten (Genf, 2002), Eraritjaritjaka (Lausanne, 2004), Songs of Wars I have seen (London, 2007) Stifters Dinge (Lausanne, 2007), I went to the house but did not enter (Edinburgh, 2008), When the Mountain changed its clothing (Bochum, 2012), Everything that happened and would happen (2018) u.a. Mit allen seinen Konzerten und Musiktheaterstücken zahlreiche Gastspiele auf den weltweit wichtigsten Musik-, Theater- und Kunstfestivals.

Sound- und Video-Installationen Documenta 1987 & 1997, Artangel London 2012, Musée d’art contemporain Lyon 2014, Albertinum Dresden 2016, New Space Moskau 2017, Kunsthalle Gießen 2018, Museo de Arte Bogota 2019, Elefsina 2023, Vilnius 700 2023, Museo Reina Sofia Madrid 2023, Musée du Luxembourg Paris 2023, World Heritage Völklingen 2023

CD Produktionen bei ecm-records, Anthologien „Komposition als Inszenierung“ (2002) , „Ästhetik der Abwesenheit“ (2012). Zahlreiche Internationale Hörspiel-, Theater- und Musikpreise (Prix Italia, Europäischer Theaterpreis, International Ibsen Award u.v.a.).

Composer in residence beim Lucerne Festival; Artist in residence, Cornell University, Ithaca. Mitglied mehrerer Akademien der Künste, Honorable Fellow des Dartington College of Arts und der Central School of Speech and Drama, London; Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin (2007/08). Honorable Doctorade Birmingham City University und National Academy for Theatre and Film Arts, Sofia.

1999-2018 Professor am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft der Justus-Liebig-Universität Gießen; 2006-2018 Präsident der Hessischen Theaterakademie.

Intendant der Ruhrtriennale – International Festival of the Arts 2012–2014.

Von 2018 bis 2024 wurde er vom Präsidenten der Justus Liebig Universität zum ersten Inhaber der Georg-Büchner-Professur berufen.

Parastou Forouhar

Sie eine der prominentesten Stimmen der iranischen Gegenwartskunst. Die Künstlerin und Aktivistin wurde in Teheran/Iran geboren. An der dortigen Universität absolvierte sie bis 1990 erfolgreich ein Kunststudium, schloss von 1992 bis 1994 ein Aufbaustudium an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach am Main an.

1998 kommt es zu einem einschneidenden Ereignis, das Leben und Werk von Forouhar nachhaltig prägt: Ihre Eltern, zwei führende oppositionelle Politiker, werden in ihrem Haus durch den iranischen Geheimdienst ermordet. Die jährlichen Reisen, die sie seitdem zum Gedenken an die Tat in ihr Geburtsland unternimmt, sind zu einem Akt des Widerstandes geworden. Auch ihre künstlerische Arbeit wird durch den Mord entscheidend beeinflusst. Mit Zeichnungen und Fotografien, mit computeranimierten Bildsequenzen oder mit Installationen reflektiert sie gesellschaftliche Themen und Missstände, greift dabei auch auf Muster und Farben der persischen Tradition zurück. So hat Parastou Forouhar das Ornament als Camouflage für politische Stellungnahme 2000 im Berliner Haus der Kulturen der Welt als ihre künstlerische Handschrift vorgestellt und seitdem weiterentwickelt. Leben und Werk der Künstlerin sind beispielhaft für den transkulturellen Umgang mit den orientalischen und abendländischen traditionellen Formensprachen.

Die international anerkannte Künstlerin, die seit 1991 in Deutschland lebt, ist auch für ihr politisches Engagement gegen Repression und Gewalt und als Vermittlerin zwischen den Kulturen bekannt. Von 2019 bis 2024 unterrichtete sie als Professorin der Gutenberg-Research-Fellowship eine Klasse für Freie Kunst an der Kunsthochschule Mainz und brachte hier ihren spezifischen transkulturellen Blick auf den internationalen zeitgenössischen Kunstdiskurs in die Lehre ein. 2022 war sie Schirmherrin der Tage des Exils Frankfurt am Main, sie ist Gründungsmitglied des Kollektivs Art-Cultur-Action.

Manuel Gorkiewicz

Er schloss an der Akademie der bildenden Künste in Wien sein Studium der Malerei und Grafik ab und studierte an der dortigen Universität Sozialanthropologie und Philosophie.

Er ist Künstler, lehrt an der Kunstuniversität Linz und lebt in Wien. Zahlreiche Einladungen zu nationalen und internationalen Einzel- und Gruppenausstellungen zeugen von großer Beachtung seines konzeptuellen und multimedialen Œvres. In ihm umkreist Gorkiewicz die Schnittstellen und Wechselbeziehungen zwischen der Kunstwelt einerseits und der Konsum- und Alltagswelt andererseits. Dabei setzt er sich nicht nur intensiv mit der realen und möglichen Repräsentationsgeschichte seines jeweiligen Materials auseinander, sondern er eignet sich auch technisches Know-how an, um damit arbeiten zu können. Sein Blick reicht sowohl in Kunsträume hinein als auch in deren vermeintlich trivialen Entsprechungen in der Alltagskultur.

Gorkiewiczs Interesse an der Formensprache und Ästhetik alltäglicher Objekte verknüpft er mit einer pseudo-wissenschaftlichen, penibel zu bezeichnenden Herangehensweise, um Fragestellungen nach Repräsentation in konkreten wie übertragenen Kontexten aufzumachen. Durch ihre überhöhte und übergenaue Form der Präsentation verlieren die Objekte den ursprünglichen Verwendungszweck, gleichzeitig eignet sich der Künstler diese Objekte und ihre ursprüngliche Lesbarkeit an.

Einen Kontextwechsel erlaubt sich der Künstler durch den Übertritt in die Musik und erweitert so sein professionelles Tätigkeitsfeld.

freitagsküche

Die Küche als ein kreativer und sozialer Produktionsort
Die von einem Kollektiv aus Künstler:innen und Kulturschaffenden gegründete Frankfurter Institution bietet seit fast zwanzig Jahren eine lebendige Plattform des Austauschs und des Gesprächs, immer wieder auch an wechselnden Orten und auf verschiedenen internationalen Festivals. Sie versteht sich weniger als ein konventionelles Restaurant, sondern als ein sozialer Treffpunkt in den Hochhausschluchten der Bankenmetropole, bei dem sich Kochen, Essen und Kunst mit guten Gesprächen verbinden. Die Künstler Thomas Friemel und Michael Riedel haben die freitagsküche in Frankfurt am Main gegründet. Am Anfang stand der Wunsch, sich ohne einen bestimmten Anlass und unabhängig von Ausstellungseröffnungen oder anderen Events ungezwungen zu treffen und auszutauschen, Künstler untereinander, aber auch andere Kulturschaffende und Freigeister – ganz im Sinne der Salonidee. Die Künstler:innen selbst sorgten mit ihren Gerichten, die sie kochten, für das leibliche Wohl der Gäste. Heute trifft sich hier weiterhin die Frankfurter Kunst- und Kulturszene, daneben gehen internationale Gäste und Durchreisende ein und aus. Mit ihrer Lage im Bahnhofsviertel ist sie Treffpunkt für Akteure aus verschiedenen kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Milieus, eine »Kommunikationsfactory«, die in zwanglosem Rahmen neben den Tischgesprächen zu Konzerten, Lesungen oder Ausstellungen einlädt. Ihre Idee beschreiben die beiden Künstler wie folgt: »Üblicherweise verschwindet der Vorgang des Kochens in einem Restaurant im Geheimen. In der freitagsküche liegt er offen. Die Künstlerinnen und Künstler des Abends inspirieren die Küche mit eigenen Vorschlägen, schlagen auf diese Weise die Brücke zwischen Kunst und Kochen und sorgen nebenbei für das erste Gesprächsthema. «Mit Blick auf das Zeitgeschehen und die Anforderungen der Gegenwart sind Orte des Austauschs, Formate für Diskurse, Plattformen zur Entwicklung von Strategien für ein Leben miteinander wichtiger denn je. Die Idee der freitagsküche ist eine elementare: Ein kollektives Ereignis, bei dem Kunst und Leben eine kulinarische Verbindung eingehen.

Wirtshauslabor

Das Wirtshauslabor setzt einen Impuls zur Wiederbelebung der verschwindenden Wirtshauskultur am Land. Die Vertreter:innen aus lokaler und europäischer Spitzengastronomie sowie Kunst und Kultur initiieren Themen-Stammtische, beleben Wirtshäuser und berufen Wirtshauslabore in Tourismus- und Berufsschulen ein. Eigens für die Kulturhauptstadt entwickelte das künstlerisch-performativ arbeitende Kochkollektiv Healthy Boy Band (Lukas Mraz, Philip Rachinger, Felix Schellhorn) in Kooperation mit friendship.is das „HOT BOX BUILDING“, eine mobile Installation, die in Form von kulinarischen Interventionen und Performances an verschiedenen Orten funktioniert und diese für einen gewissen Zeitraum aktiviert: im Ortszentrum neben aufgelassenen Wirtshäusern, am See vor dem malerischen Bergpanorama, auf dem Feld direkt bei den Produzent:innen oder in der aufgelassenen Industriehalle als Botschafterin für die Sache.

Anmeldung

Es stehen insgesamt 50 Plätze in den beiden Workshops zur Verfügung.

Eine Anmeldung ist ab sofort per Mail unter salzkammergut2024.klf@univie.ac.at möglich.

Folgende Angaben sind verpflichtend:

Vorname:

Nachname:

Adresse:

Tel. Nummer:

Email:

Nahrungsmittelpräferenzen: vegetarisch // vegan // glutenfrei // keine Einschränkungen

Interesse an einer Verpflegung vor Ort an drei Workshoptagen (Mittag): ja/nein

Bitte beachten: Unvollständige Anmeldungen werden als ungültig betrachtet.

Teilnahmegebühr: 20 Euro (Barzahlung bei der Registrierung in Grünau im Almtal)

Auf Grund der limitierten Plätze bitten wir um Verbindlichkeit bei der Anmeldung sowie um Stornierung bei Verhinderung bis zum 16. September 2024, ansonsten wird eine Bearbeitungsgebühr von 15 Euro erhoben.

Die Unterkunft ist selbst zu organisieren. Das Tourismusbüro Almtal kann dabei unterstützen.

Für Studierende (bitte Studierenden-Ausweis mitbringen) stehen günstige Übernachtungsmöglichkeiten an der Konrad Lorenz Forschungsstelle zur Verfügung.

Bitte beachten: Es steht nur eine begrenzte Anzahl von Schlafplätzen zur Verfügung, deshalb gilt: first come, first served.

Bei Interesse bitte mit Gudrun Gegendorfer (office.klf@univie.ac.at) Kontakt aufnehmen.

Eine Verpflegung ist nicht in der Teilnahmegebühr inkludiert.

Um den Austausch zwischen den Teilnehmenden zu fördern, wird am Montag, Dienstag und Mittwoch eine Mittagsverpflegung am Veranstaltungsort organisiert, welche mit Essenbons (6 Euro pro Mahlzeit, exkl. Getränke) in Anspruch genommen werden kann.

Bitte geben Sie Ihr verbindliches Interesse bereits bei der Anmeldung an.

Getränke stehen zum Selbsterwerb zur Verfügung.

Die Anreise ist selbst zu organisieren.

Der Ort der Veranstaltung, Grünau im Almtal, ist öffentlich gut erreichbar (Bahn, Bus). Der Pfarrhof ist in Gehzeit vom Bahnhof sowie Bushaltestelle Gemeindeamt gut erreichbar.

Für Studierende stehen Reisekostenzuschüsse zur Verfügung.

Bitte beachten, dass dafür nur ein begrenztes Budgets zur Verfügung steht. Bei Bedarf bitte mit Didone Frigerio (didone.frigerio@univie.ac.at) Kontakt aufnehmen.

Programm

Programm der Akademie der Spiele in Grünau im Almtal 2024

 

Sonntag, 22. September 2024

Individuelle Anreise und Registrierung der Workshopteilnehmenden

16:00 Uhr Come together

16:30 Uhr Eröffnung der Akademie der Spiele

18:00 Uhr Keynote Heiner Goebbels, Komponist und Theatermacher, Frankfurt am Main

Anschließend Bargespräche

Die Veranstaltungen am Sonntag, 22. September 2024, sind öffentlich bei freiem Eintritt.

 

Montag, 23. September 2024

10:00 Uhr bis 12:00 Uhr Workshops

14:00 Uhr bis 17:00 Uhr Workshops

 

Dienstag, 24. September 2024

10:00 Uhr bis 12:00 Uhr Workshops

14:00 Uhr bis 17:00 Uhr Workshops

 

Mittwoch, 25. September 2024

10:00 Uhr bis 12:00 Uhr Workshops

14:00 Uhr bis 17:00 Uhr Workshops

 

Donnerstag, 26. September 2024

10:00 Uhr bis 12:00 Uhr Vorbereitung einer öffentlichen Präsentation

15:00 Uhr Seid hungrig, seid durstig, seid neugierig, seid herzlich willkommen!

Einladung zur Vorstellung der Akademie der Spiele und zum Austausch

Gespräch mit freitagsküche und Wirtshauslabor

Die Veranstaltung ab 15:00 ist öffentlich bei freiem Eintritt.

 

Freitag, 27. September 2024

10:00 Uhr Die Gastgeber, die Konrad Lorenz Forschungsstelle und das Almtal, stellen sich in Exkursionen vor.

Die Exkursionen sind öffentlich und zum Teil kostenpflichtig.

15:00 Uhr Come together der Teilnehmenden der Akademie der Spiele für abschließenden Austausch

16:30 Uhr Abschluss der Akademie der Spiele und individuelle Abreise der Workshopteilnehmenden

Die beiden angebotenen Workshops können nur nach Anmeldung (kostenpflichtig) besucht werden. Die Veranstaltungen sind wie angegeben öffentlich (teilweise kostenpflichtig).