Vortragende 2018

Prof. Dr. Kurt Kotrschal

Professor für Verhaltensbiologie, Universität Wien

Prof. Dr. Kurt Kotrschal (Foto: Alex Munteanu)

Kurt M. Kotrschal, Mag.rer.nat., Prof. Dr., geboren 1953 in Linz, verheiratet sein 1975, zwei Kinder, wohnhaft in Scharnstein/OÖ und Wien. Studium der Biologie an der Universität Salzburg, dort auch 1981 Promotion und 1987 Habilitation; 1976-1981 Forschungsaufenthalte an den Universitäten Arizona und Colorado, USA. Seit 1990 Leiter der Konrad Lorenz Forschungsstelle für Ethologie in Grünau/Oberösterreich (www.klf.univie.ac.at) und Professor am Department für Verhaltensbiologie, Fakultät für Lebenswissenschaften, Universität Wien. Mitbegründer des Wolfsforschungszentrums (www.wolfscience.at). Mehr als 200 wissenschaftliche Beiträge in Fachzeitschriften, Buchbeiträge und Bücher, darunter Österreichs Wissenschaftsbuch des Jahres 2013. Und Bestseller über Mensch-Tier und Hund (2014, 2016). Österreichs Wissenschaftler des Jahres 2010, Kolumnist der Tageszeitung Die Presse.

Warum Dazugehören wichtig ist – und wie das Fremdsein in die Welt kam

Die Regulation von Distanz und Nähe ist ein Kernthema der Evolution. In der frühen Stammesgeschichte überwogen Konkurrenz- und Räuber-Beutebeziehungen, man hielt einander daher auf Distanz; Pflanzen etwa, durch chemische Kriegsführung zwischen Wurzelsystemen, Tiere mittels Territorien. Aber Raubfeinddruck erzwang auch Gruppenbildung. Heringe oder Graspflanzen müssen einander tolerieren und ihr Verhalten koordinieren. Dies gilt auch für Paare, die gemeinsam Nachkommen aufziehen und sich von anderen Paaren oft abgrenzen. Mit zunehmender sozialer Komplexität entstehen schließlich weitgehend „geschlossene Gruppen“,  die ihre Ressourcen gegen ihre Nachbarn verteidigen. So etwa sind Ameisen, Bienen oder Wespen umso aggressiver je komplexer ihre Sozialität. Die Kooperation zwischen den Gruppenmitgliedern steht in direktem Zusammenhang mit der Konkurrenz zwischen den Gruppen. Damit wird die Gruppenselektion zu einem wichtigen Faktor in der Evolution.


Prof. Dr. Katharina Hirschenhauser

Hochschulprofessorin an der Pädagogischen Hochschule Oberösterreich (PHOÖ)

Prof Dr. Katharina Hirschenhauser (Foto: Josef Philipp)

Katharina Hirschenhauser, Prof. Dr. habil., Studium der Biologie an der Universität Wien, bis 1999 Dissertantin an der Konrad Lorenz Forschungsstelle in Grünau, 1999 – 2002 Postdoc in Lissabon, 2003 – 2006 Rückkehr an die Konrad Lorenz Forschungsstelle Grünau mit einem FWF Schrödinger Stipendium, 2009 – 2011 Alexander von Humboldt Fellow am Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen; Niko-Tinbergen-Preisträgerin der Ethologischen Gesellschaft 2010, L’Oréal Preis "For Women in Science" 2012; Lektorin an der Universität Wien seit 2005, Hochschulprofessorin an der Pädagogischen Hochschule Oberösterreich seit 2012. Untersuchte Paarbindungs- und Dominanzverhalten, soziale Neuroendokrinologie und nicht-invasive Methoden an Graugänsen, Wachteln, Fischen und auch Menschen. Aktuell Forschung zur Fachdidaktik Biologie und verschiedenen Aspekten der Verhaltensentwicklung von Schulkindern.

Das Tier im Wir – soziales Handeln innerhalb und zwischen Gruppen

Die Bevorzugung von Mitgliedern der eigenen Gruppe gegenüber anderen ist beim Menschen wie auch bei vielen sozialen Tierarten zu beobachten. Familiengruppen sind beispielsweise soziale Untereinheiten der Gänseschar und große Familien haben Vorrang am Futterplatz. Innerhalb der eigenen Gruppe wird der Zugang zur Futterquelle geteilt, untereinander sind die Gruppenmitglieder eher zur Kooperation bereit als mit anderen. Vor allem langfristige Beziehungen ermöglichen komplexe soziale Interaktionen in Gruppen. Viele Verhaltensmuster der Menschen können als homolog betrachtet werden – obwohl nicht immer offensichtlich. Die Vorliebe für Menschen mit ähnlichen Einstellungen, Überzeugungen und sozio-kulturellem Hintergrund nennt sich „Bauchgefühl“ - es beeinflusst Verhalten und Kooperationsbereitschaft, das Vertrauen in Gegenseitigkeit und letztendlich die persönliche Betroffenheit (sprich Mitgefühl). Gerade im Sinne der inklusiven Pädagogik hat die evolutionäre Perspektive von sozialem Handeln innerhalb und zwischen Gruppen noch Potenzial.


Mag. Ilja Steffelbauer

Institut für Kultur- und Sozialanthropologie, Universität Wien

Mag. Ilja Steffelbauer (Foto: Ingo Pertramer für den Brandstätter Verlag)

Ilja Steffelbauer studierte Alte Geschichte und Geschichte in Wien und Athen. Als Lektor am Institut für Alte Geschichte und am Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte sowie freier Historiker, beschäftigt er sich mit sozialer Evolution, historischer Makrosoziologie, nichtstaatlichen Gesellschaften und der Entstehung von komplexen Gesellschaften unter besonderer Berücksichtigung der Sozialgeschichte des Krieges und des Militärischen. Mitherausgeber einer mehrbändigen Reihe zu "Krieg und Gesellschaft", der Reihe "Expansion-Interaktion-Akkulturation" des Vereins zur Förderung von Studien zur Interkulturellen Geschichte und Mitbegründer des Vereins Amaltheia für Geistes- und Humanwissenschaften. Zuletzt von ihm erschienen: "Der Krieg - Von Troja bis zur Drohne" bei Brandstätter, Wien.

 

Der böse Feind

"Ich gegen meine Brüder, meine Brüder und ich gegen unseres Cousins, unser Clan gegen die anderen Clans, unser Stamm gegen die anderen Stämme und unser Volk gegen den Rest der Welt." So oder so ähnlich lautete die längste Zeit der Menschheitsgeschichte die segmentäre Logik von Inklusion und Exklusion an deren jeweiligen Bruchstellen auch immer kollektive Gewalt auftreten konnte. Erst der moderne Staat pazifiziert so erfolgreich alle subsidiären Einheiten, dass wir von einem Gewaltmonopol nach innen und einem exklusiven "ius ad bellum" nach außen sprechen können. Der Vortrag geht anhand von historischen und ethnographischen Beispielen der Frage nach, wie Individuen vor dem Hintergrund der extremen Abgrenzungssituation im Fall von kollektiver Gewalt (Blutrache, Fehde oder Krieg) mit der Notwendigkeit zurechtkamen, von einem anderen Menschen als einen bösen Feind denken zu müssen und zeigt gleichzeitig Beispiele auf, wo diese Abgrenzung nicht so klar, eindeutig und stabil auftritt, wie man erwarten würde.  


Prof. Dr. Claus Lamm

Professor für Biologische Psychologie, Universität Wien

Prof. Dr. Claus Lamm (Foto: Alex Munteanu)

Claus Lamm ist Professor für Soziale, Kognitive und Affektive Neurowissenschaften an der Universität Wien. Als Psychologe und Neurowissenschafter beschäftigt er sich mit den neurobiologischen und psychologischen Grundlagen von Empathie, Mitgefühl und prosozialem Verhalten. Mittels Methoden wie der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT) versucht er zu verstehen, wie Menschen auf das Leid anderer Menschen, aber auch auf jenes von Tieren emotional reagieren. Ein besonderer Schwerpunkt seiner Arbeit, der ihn auch als Sprecher ans Biologicum bringen wird, ist die Beantwortung der Frage, wie Empathie und Mitgefühl gefördert, aber auch unterdrückt werden können.

Gehirnmechanismen von Empathie und Ausgrenzung

Empathie und Mitgefühl werden oft als für ein gutes menschliches Zusammenleben fundamentale prosoziale Emotionen bezeichnet. Sie ermöglichen uns nicht nur, die Gefühlswelt unserer Mitmenschen zu verstehen, sondern motivieren uns auch zu einem altruistischeren Miteinander. Allerdings zeigen Ergebnisse aus den Sozialen Neurowissenschaften, dass sowohl unsere Empathiefähigkeit, als auch das daraus folgende altruistische Handeln sehr selektiv und einseitig sein können. So zeigen wir etwa mehr Empathie für Personen, die uns besonders nahe stehen, und weniger für solche, die wir nicht als Teil unserer sozialen Gruppe sehen (wollen). Grundlage dafür scheinen universelle und für unsere Evolution als "Herdentier" essentielle biologische Mechanismen zu sein. Im Vortrag wird aus einer neurowissenschaftlichen Perspektive darauf eingegangen werden, inwiefern wir diese Mechanismen und die damit einhergehende Ungleichbehandlung verändern können - sofern wir das wollen.


Dipl.-Ing. Horst Baumgartner

Geschäftsführer PenTribe

Dipl-Ing. Horst Baumgartner (Foto: Stiwa Holding)

Dipl-Ing. Horst Baumgartner, geboren 1965 in Linz an der Donau, studierte Informatik an der Johannes Kepler Universität Linz mit den Schwerpunkten Automation und Systemtheorie. Nach seiner Ausbildung an der JKU widmete er sich für 10 Jahre den internationalen Herausforderungen der pharmazeutischen Industrie. 2001 übernahm er die technische Gesamtverantwortung des Wissensmanagement-Projektes in einem der größten österreichischen Unternehmen und baute den Bereich für Informations- und Wissensmanagement zu einer Serviceorganisation auf.
Unter dem Eindruck der eintretenden Prognosen des Stockholm Environmental Institute (SEI), des "Great Transition", gründet er 2012 in Hagenberg, dem Silicon Valley Österreichs, sein eigenes Unternehmen, die PenTribe International GmbH. Nach 6 Jahren des Bestandes war PenTribe bereits in 8 Ländern und auf drei Kontinenten tätig, das Team von PenTribe bietet Zusammenarbeit in 8 Sprachen an.

Soziale Medien – Demokratisierung oder Spaltung der Gesellschaft?

Dieser Vortrag analysiert die Entwicklung der "sozialen Medien" und wirft gleichzeitig einen Blick auf ihre Mechanismen und Wirkungen in unserem Leben. Können wir uns einerseits mit Hilfe sozialer Medien individuell und jederzeit austauschen, so ist andererseits das gleiche Medium ein großer Wirtschaftszweig für höchst potente Unternehmen. Die Breitenwirkung und Durchdringung unserer Gesellschaft mit sozialen Medien erfolgt über viele Kulturgrenzen hinweg in ungeahnter Geschwindigkeit. Den demokratischen Regulativen der Gesetzgebung ist kaum Gelegenheit gegeben, die Folgen einzuschätzen und rechtzeitig die richtigen begleitenden Maßnahmen zu setzen, um einerseits die Chance der freien Meinungsäußerung und Kooperation zu wahren und andererseits gefährliche Manipulationen zu vermeiden. Soziale Medien ermöglichen auch eine wichtige neue Form der gesellschaftlichen Reflexion und bilden somit ein schnelles und informelles Kontrollgremium der offenen Gesellschaft, z.B. gegen Fake-News. Doch was ist zu erwarten, wenn künstliche Intelligenzen die sozialen Medien immer stärker durchdringen und wie können wir das Gute an sozialen Medien stärken?


Mag. Dr. Thomas Schmidinger

Institut für Politikwissenschaft, Universität Wien

Mag. Dr. Thomas Schmidinger (Foto: Mary Kreutzer)

Thomas Schmidinger, geb. 1974, ist Politikwissenschaftler und Sozial- und Kulturanthropologe. Er lehrt an der Universität Wien und an den Fachhochschulen Vorarlberg und Oberösterreich. Schmidinger, der seit Jahren zum Mittleren Osten, zur Kurdischen Frage, zum Fragen des Politischen Islam und der Migration arbeitet, ist auch regelmäßig zu Feldforschungen im Irak und Syrien, insbesondere in den kurdischen Regionen dieser beiden Staaten. Zuletzt publizierte er bei Mandelbaum die Bücher "Krieg und Revolution in Syrisch-Kurdistan" (2014) und Jihadismus (2015), sowie bei Bahoe Books "Kampf um den Berg der Kurden. Geschichte und Gegenwart der Region Afrin" (2018).

Transnationale Regionalkonflikte im Nahen Osten: Zwischen Kurden, "Islamischer Staat", Neo-Osmanismus und "Schiitischem Halbmond"

Die Bürgerkriege im Irak und in Syrien sind in den letzten Jahren zunehmend in größere transnationalen Konflikte integriert worden, innerhalb derer sich eine Vielzahl an Mikrokonflikten widerspiegeln, zugleich aber auch die Konkurrenz der Supermächte eine Rolle spielt. Diese ineinander verzahnten Konflikte, die einerseits von Stellvertreterkonflikten geprägt sind, andererseits aber auch durchaus lokale und regionale Akteure mit Akteursqualität inkludieren, wurden durch die aktive Beteiligung der regionalen Hegemonialmächte Iran, Türkei und Saudi-Arabien zunehmend komplexer. Neben ökonomischen und politischen Ursachen, spielen dabei auch Ressourcenfragen und ökologische Veränderungen, insbesondere Klimaveränderungen und der Zugang zu Wasser eine wachsende Rolle.


Moderation

Dr. Doris Weyer

Gründerin, Geschäftsführerin, Personalentwicklerin und Coach, hrdiamonds

Dr. Doris Weyer (Foto: hrdiamonds)

Doris Weyers Tätigkeitsschwerpunkte umfassen die Begleitung von Strategie-, Visions- und Transformationsprozessen sowie die Gestaltung von Führungskräfteausbildungen mit kreativen Lernkonzepten. Seit über 20 Jahren ist sie erfolgreich als Personalentwicklerin, Trainerin und Coach tätig und als Vortragende an verschiedenen Institutionen in Österreich aktiv. Bevor sie 2008 hrdiamonds gründete, leitete sie 5 Jahre lang den Personalentwicklungsbereich einer internationalen Personalberatung und war maßgeblich an dessen Aufbau beteiligt. Doris Weyer absolvierte ihr Studium der Internationalen Betriebswirtschaftslehre an der Universität Wien und war mehrere Jahre an der Universität im Bereich Personalmanagement als Lehrbeauftragte engagiert. Sie lebt mit ihrer Familie am Stadtrand von Wien und verbringt ihre Freizeit in der Natur oder reisend.

Mag. Vincent Paulischin

Personalentwickler, Supervisor, Coach und Organisationsentwickler, hrdiamonds

Mag. Vincent Paulischin (Foto: hrdiamonds)

Vincent Paulischin ist bei hrdiamonds seit 2015 als Seniorberater tätig mit Schwerpunkten Konzeption von Organisationsentwicklungsprozessen sowie Durchführung und Begleitung von Führungskräfteworkshops und Teammeetings, Coachings und vielem mehr. Er hat langjährige Berufserfahrung in der Betreuung und Abwicklung von EU-Projekten und in der Koordination von Projekten des Europäischen Sozialfonds in Österreich und Rumänien. Des Weiteren hat Vincent Paulischin sein Studium in der Soziologie abgeschlossen und mehrere Jahre als Projektleiter und pädagogischer Mitarbeiter im Kinder- und Jugendbereich gearbeitet, bevor er die Ausbildung zum systemischen Organisationsentwickler, Coach und Supervisor absolvierte. In seiner Freizeit spielt er gerne Musik und verbringt die Zeit mit seiner Frau und zwei Söhnen in Wien und Oberösterreich.


Gäste

Mag. Renata Schmidtkunz

Journalistin und evangelische Theologin. Redakteurin, Filmemacherin und Moderatorin beim ORF in Wien

Mag. Renata Schmidtkunz (Foto: Ursula Hummel-Berger/ORF)

Renata Schmidtkunz wurde 1964 in Hattingen/Ruhr geboren. Aufgewachsen ist sie in einem evangelischen Pfarrhaus in Niederösterreich, Oberösterreich und Kärnten. Sie studierte Evangelische Theologie in Wien und Montpellier/Frankreich. Seit Januar 1990 arbeitet sie als Moderatorin, Redakteurin und Dokumentarfilm-Regisseurin beim ORF: erst in der Abteilung Religion im Fernsehen, wo sie zahlreiche, heute noch existierende Sendungen (mit)erfunden, gestaltet und moderiert hat ("kreuz und quer", "Religionen der Welt"). Ausgezeichnet wurde sie mit dem Spezialpreis der Romy-Jury 1999, gemeinsam mit Paul Gulda mit dem "Frauenring" des Österreichischen Frauenrings 2011, dem "Preis der Stadt Wien für Publizistik 2012" und dem "Axel-Corti-Preis 2014".

Renata Schmidtkunz wird am Freitag Abend an der spannende Diskussion "Religionen – Friedens- oder Brandstifter"? teilnehmen, und gemeinsam mit Ilja Steffelbauer und Thomas Schmidinger, zwei Vertreter wichtiger Religionen, und Kurt Kotrschal mit dem Publikum diese polarisierende Frage mitdiskutieren.