ReferentInnen 2019

Prof. Dr. Tecumseh Fitch

Department für Kognitionsbiologie, Universität Wien

Foto: T. Fitch

William Tecumseh Fitch ist ein US-amerikanischer Evolutions- und Kognitionsbiologe. Geboren 1963 in Boston, studierte und promovierte er an der Brown University in Providence. Nach seinem Postdoc am Massachusetts Institute of Technology in Cambridge lehrte er in Harvard (US), Leipzig (D) und St Andrews (UK), bevor er im Juni 2009 zur Universität Wien wechselte und seither das Department für Kognitionsbiologie leitet. Fitchs Forschungsschwerpunkte sind die Evolution und neurowissenschaftliche Grundlagen der Kognition und Kommunikation, die Theoretische Biologie, die Biolinguistik und Bioakustik sowie die Biomusik. Er ist Mitherausgeber der Fachzeitschriften Biolinguistics und Journal of Language Evolution, und Music & Science.

Wie die Kuh ihre Flecken bekam

Warum haben Kühe Flecken, ihre wilden Verwandten und Vorfahren aber nicht? Die Flecken sind ein sogenanntes "Domestikationssyndrom". Das ist ein Phänomen, bei dem mehrere domestizierte Arten (zum Beispiel Hunde, Katzen, Rinder und viele andere) unabhängig voneinander ähnliche Veränderungen aufweisen, wie eben Flecken. Prof. Fitch wird einen biologischen Überblick über die Domestikation bei Tieren geben und das Geheimnis des "Domestikationssyndroms" aufzeigen.


Dr. Didone Frigerio

Core Facility Konrad Lorenz Forschungsstelle, Universität Wien

Dr. Didone Frigerio ist Verhaltensbiologin an der Konrad Lorenz Forschungsstelle, Universität Wien. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt zum Einen in den Zusammenhängen zwischen sozialem Umfeld und Physiologie und darin, wie diese die Lebensumstände, wie beispielsweise den reproduktiven Erfolg, von sozialen Vogelarten beeinflussen. Schon seit ihrer Studienzeit begleitete Didone Frigerio die Tätigkeit als Natur- und Forschungsvermittlerin und so liegt inzwischen ein zweiter, sehr erfolgreicher Schwerpunkt ihrer Forschungstätigkeiten darin, mit SchülerInnen und mit anderen Citizen Scientists zusammenzuarbeiten, um Langzeitdaten über das Verhalten und die Aufenthaltsmuster von Graugänsen und Waldrappen zu sammeln.

Citizen Science und Verhaltensbiologie: Mission Impossible?

Citizen Science gewinnt innerhalb der Forschungsgemeinschaft zunehmend an Bedeutung, da man große, räumlich und zeitlich skalierte Datensätze gewinnen kann. Aber wie kann man BürgerwissenschaftlerInnen motivieren und verlässliche Daten für die Wissenschaft gewinnen? Was macht eine erfolgreiche Studie aus? Diese Fragen werden anhand von Fallsbeispielen der Konrad Lorenz Forschungsstelle diskutiert.


Florian Heigl und Daniel Dörler

Citizen Science Arbeitsgruppe, Universität für Bodenkultur Wien

Florian Heigl und Daniel Dörler sind die Gründer und Koordinatoren des Citizen Science Network Austria und somit der Citizen Science Plattform "Österreich forscht" und der jährliche Österreichische Citizen Science Konferenz. Beide sind wissenschaftliche Mitarbeiter an der Boku, Daniel Dörler studierte Zoologie und Florian Heigl studierte Agrarwissenschaften und machte sein Doktorat über das Citizen Science Projekt Roadkill.

Foto: D. Dörfler

Foto: F. Heigl

Citizen Science? WTF!

Was ist "Citizen Science"? Was macht es so besonders und was haben Jugendliche davon? Diesen Fragen möchten wir auf den Grund gehen und zeigen, dass Wissenschaft manchmal anders funktioniert als man es aus Filmen kennt. Citizen Science eignet sich hier besonders, da man hier die Forschenden nicht nur befragen sondern direkt in ihre Rolle schlüpfen kann. Also, selbst forschen oder doch lieber den anderen den Labormantel überlassen?


Prof. Dr. Markus Hengstschläger

Institut für Medizinische Genetik, Medizinischen Universität Wien

Foto: Ecowin Verlag

Markus Hengstschläger promovierte mit 24 Jahren mit Studienverkürzung und Auszeichnung zum Doktor der Genetik. Danach arbeitete er an der Yale University in den USA, wurde mit 29 Jahren außerordentlicher Universitätsprofessor und wurde mit 35 Jahren zum Universitätsprofessor berufen. Heute leitet er das Institut für Medizinische Genetik an der Medizinischen Universität Wien und ist in den Bereichen genetische Diagnostik, Forschung und Entwicklung, und Innovationsberatung tätig. Der vielfach ausgezeichnete und international anerkannte Wissenschafter unterrichtet seit über zwei Jahrzehnten Studierende, betreut Patienten und berät Regierungen und Firmen. Er ist Träger des Großen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik, sitzt in mehreren Aufsichtsräten und ist u.a. stellv. Vorsitzender der österreichischen Bioethikkommission, stellv. Vorsitzender des österreichischen Rats für Forschung und Technologieentwicklung, Mitglied des Universitätsrats der Universität Linz und Leiter des Think Tanks Academia Superior. Hengstschläger ist außerdem Wissenschaftsmoderator auf ORF Radio Ö1 und Autor von drei Platz 1 Bestsellern ("Die Macht der Gene", "Endlich unendlich" und "Die Durchschnittsfalle"), die auch jeweils zu den beliebtesten Sachbüchern des Jahres gewählt wurden.

Sollen/dürfen wir den Menschen genetisch verändern?

Was heißt überhaupt genetisch verändern? Wie funktioniert das, welche unterschiedlichen Möglichkeiten gibt es? Dürfen/Sollen wir Menschen genetisch verändern? Findest du Gentechnik für die Heilung von Krankheiten gut? Aber was heißt eigentlich krank? Dürfen/Sollen wir genetische Veränderungen zur Steigerung der Leistungsfähigkeit machen, sozusagen "Gen-Doping"? Oder Wunschbabys "entwickeln", die die besten Gene bekommen?


Thomas Hübner

Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik

Foto: SPOTTERON

Thomas Hübner arbeitet an der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik im Fachbereich Klima in der Arbeitsgruppe Phänologie. Nach anfänglicher Digitalisierung historischer Beobachtungsbögen hat er sich intensiv mit der Verbesserung der Datenerhebung für die Phänologie in der Zeit der Informationsgesellschaft beschäftigt. In verschiedenen Projekten wurde so von Bleistift und Papier über eine Online-Eingabemaske der Weg zur aktuellen Smartphone App "Naturkalender ZAMG" gegangen.

Die weit gefächerte Bildung aus dem Studium der Landschaftsplanung und Landschaftsarchitektur an der Universität für Bodenkultur in Wien ist dabei eine wichtige Kommunikationsgrundlage für die Zusammenarbeit mit bspw. Landwirtschaftlichen Fachschulen, Landschaftsplanungsbüros, Gemeinden und anderen öffentlichen Einrichtungen. Wissenschaftskommunikation und Umweltbildung sind dabei auch Teil seines Aufgabengebietes. Dabei spielen die Vernetzung im Bereich Citizen Science (CS) und die Mitarbeit in verschiedenen Arbeitsgruppen (Qualitätskriterien für CS, CS D-A-CH) sowie nationale und internationale Kooperationen eine besondere Rolle.

Phänologie - eine lange Tradition von Citizen Science

Die Phänologie beschäftigt sich mit der jahreszeitlichen Entwicklung von Pflanzen und Tieren und dem Einfluss von Witterung und Klima. Wenn wir Pflanzen regelmäßig und über viele Jahre beobachten, können wir Informationen über Veränderungen des Klimas erhalten. Die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) beschäftigt sich schon seit 1851 mit der Beobachtung von Pflanzen. Zuerst mit Bleistift und Papier, später mittels Online-Eingabeformular und jetzt neu mit einer Smartphone-App, werden dabei immer mehr Citizen Scientists in die Beobachtungsarbeit miteingebunden.


Prof. Dr. Eva Jablonka

Cohn Institut, Universität von Tel Aviv

Eva Jablonka, Professorin an der Universität Tel Aviv am Cohn Institut (Israel), ist eine der weltbekanntesten Expertinnen zum Thema Evolution und Mitbegründerin der "Erweiterten Synthese" der Evolutionstheorie. Ihr Forschungsschwerpunkt ist das Verständnis der Evolution, besonders der nicht-genetischen Vererbungs-möglichkeiten. Sie wurde 1952 in Polen geboren, immigrierte als Kind mit ihrer Familie nach Israel und studierte dort an der Universität Ben-Gurion (Bachelor in Genetik, Master in Mikrobiologie) und der Hebrew University (PhD in Genetik) und beschäftigte sich auch mit Wissenschaftsphilosophie und -geschichte. Seit 1990 ist sie als Dozentin und ab 2000 als Professorin an der Universität Tel Aviv tätig. Sie ist Autorin von über 100 Papers und zahlreichen Büchern zum Thema Evolution.

Welche Rolle spielt die epigenetische Vererbung in der Evolution?

Nach einer Erörterung der historischen Entwicklung der "modernen evolutionären Synthese" bis hin zu einer Erweiterung des Begriffs der biologischen Vererbung dank der Entdeckungen molekularer Mechanismen wird Prof. Dr. Jablonka die epigenetische Vererbung und die ihr zugrunde liegenden Mechanismen präsentieren.

Sie wird den Nachweis für die Allgegenwart der epigenetischen Vererbung unter die Lupe nehmen, Modelle der Populationsepigenetik präsentieren und die Beteiligung epigenetischer Vererbung an der adaptiven evolutionären Veränderung und der Makroevolution diskutieren. Sie ist der Ansicht, dass die Berücksichtigung der vielen evolutionären Konsequenzen epigenetischer Vererbung eine Erweiterung der evolutionären Synthese über das aktuelle neo-darwinistische Modell hinaus erfordert.


Prof. Dr. Sonia Kleindorfer

Core Facility Konrad Lorenz Forschungsstelle, Universität Wien

Foto: L. Hohl

Prof. Dr. Sonia Kleindorfer ist die neue Leiterin der Konrad Lorenz Forschungsstelle und wissenschaftliche Direktorin des Flinders Research Centre for Climate Adaptation and Animal Behaviour in Adelaide (Australien). Geboren 1966, studierte sie an der University of Pennsylvania (Bachelor: Biological Basis of Behaviour), der Universität Wien (PhD: Zoologie) und der University of Washington School of Medicine (Postdoc: Medizin). Sie ist Organismus-Systembiologin mit dem Forschungsschwerpunkt, wie Tierverhalten die Evolutionsdynamik bei Vögeln und Parasiten beeinflusst. Die Feldarbeit in Australien und auf den pazifischen Inseln (Galapagos, Fidschi) untermauert die Kernforschung von Sonia Kleindorfer. 2016 erhielt sie die D.L. Serventy Medaille für herausragende Forschungsleistungen in der Ornithologie.

Inspiration aus der Natur, oder wie uns Beobachtungen beflügeln

Hast du dich jemals gefragt, was es bedeutet, WissenschaftlerIn zu sein? Was macht ein/e WissenschaftlerIn eigentlich? In diesem Vortrag bekommt ihr einige Tipps, wie ihr WissenschaftlerInnen werden könnt. Wissenschaft beginnt damit, die Welt um uns herum zu beobachten und Fragen darüber zu stellen, was wir wahrnehmen. Wie kann ein Vogel fliegen? Mit Antworten auf diese Frage können wir Flugzeuge entwerfen. Die Kreativität der Wissenschaft kann Innovationen in allen Bereichen unseres Lebens inspirieren.


Prof. Dr. Kurt Kotrschal

Department für Verhaltensbiologie, Universität Wien

Foto: Alex Munteanu

Kurt M. Kotrschal, Mag.rer.nat., Prof. Dr., geboren 1953 in Linz, verheiratet seit 1975, wohnhaft in Scharnstein/OÖ. und Wien. Studium der Biologie an der Universität Salzburg, dort auch 1981 Promotion und 1987 Habilitation; 1976-1981 Forschungsaufenthalte an den Universitäten Arizona und Colorado, USA. Von 1990-2018 Leiter der Konrad Lorenz Forschungsstelle für Ethologie in Grünau/Oberösterreich, Professor i.R. am Department für Verhaltensbiologie, Universität Wien. Mitbegründer des Wolfsforschungszentrums (www.wolfscience.at). Sprecher der AG Wildtiere am Forum Wissenschaft und Umwelt. Mehr als 250 wissenschaftliche Beiträge in Fachzeitschriften, Buchbeiträge und Bücher, darunter Österreichs Wissenschaftsbuch des Jahres 2013. Wissenschaftler des Jahres 2010. Seit 2006 Kolumnist der Tageszeitung Die Presse, ab 2019 wöchentlicher Blog auf Heute.at.

Warum es uns gibt und was uns auszeichnet – ein frischer Blick auf die Natur des Menschen

Menschen sind über fast eine Milliarde Jahre in der Evolution entstanden, ebenso wie alle anderen heute lebenden Tiere. Daher sind Naturwissenschaftler nicht an der Diskussion interessiert, ob wir damit zur „Krone der Schöpfung“ wurden. Vielmehr wollen wir Menschen durch den Vergleich mit anderen Arten und im Licht der neuen Verhaltensbiologie, Neurobiologie und Genetik besser denn je verstehen: Warum sind wir so, wie wir sind – und wie sind wir eigentlich? In jedem von uns stecken hunderte Millionen Jahre Stammesgeschichte. Daher teilen Menschen aller Kulturen eine Fülle von Merkmalen, bis hin, wie wir fühlen, denken, zusammenleben Staaten bilden. Viele dieser Merkmale teilen wir übrigens auch mit den anderen Tieren. Dennoch ist die individuelle und gesellschaftliche Vielfalt größer als bei allen anderen Arten. Wieso das? Was sind die Alleinstellungsmerkmale des Menschen?  Wenn die wichtigsten Merkmale ein großes Gehirn und komplexe Sprache sind – warum handeln Menschen dann oft so irrational und dumm? Warum leben wir immer noch durch Raubbau an der Biosphäre und anderer Menschen, obwohl wir schon längst eingesehen haben sollten, dass es so nicht weitergehen kann? 


Prof. Dr. Johannes Krause

Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte, Jena

Dr. Anett Richter

Department für Ökosystemleistungen, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, Leipzig

Foto: S. Bernhardt

Dr. Anett Richter, geboren 1977, ist Postdoc am Department für Ökosystemleistungen des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung. Sie absolvierte 2010 ihren PhD der Angewandten Wissenschaften an der University of Canberra in Australien und ist des Weiteren seit 2003 Dipl.-Ing. für Naturschutz und Landschaftsplanung. Dr. Anett Richter ist vor allem an Naturschutz, Biodiversität mit dem Schwerpunkt Umweltbildung und Citizen Science interessiert. Derzeit untersucht sie die Rolle von Citizen Science bei der Entwicklung von Politikinstrumenten und sozialen Netzwerken und studiert Citizen Science als Konzept. Sie leitete die Entwicklung der deutschen Citizen Science Strategie 2020 und etabliert Citizen Science in Deutschland.

Neue Wege in der Wissenschaft- gemeinsame Forschen, gemeinsam Lernen, gemeinsam neue Wege gehen

In ihrem Vortrag stellt Dr. Anett Richter eine neue Form der Wissenschaft vor- die Bürgerwissenschaft, auch als Citizen Science bezeichnet. Bei der Bürgerwissenschaft begeben sich hauptamtlich und ehrenamtlich Forschende gemeinsam auf Spurensuche nach neuem Wissen. Wie und wo sie sich dabei begegnen, warum das gemeinsame Forschen für alle Beteiligten einen Mehrwert hat und warum gerade in der heutigen Zeit dieses Format der Forschung einen Aufschwung erlebt, wird sie in ihrem Vortrag behandeln. Gemeinsam mit ihr werden wir uns auf eine Zeitreise begeben und dabei interessante Persönlichkeiten und außergewöhnliche Entdeckungen kennenlernen.