Referent*innen 2020

Prof.in Dr.in Ille C. Gebeshuber

Institut für Angewandte Physik, Technische Universität Wien

Foto: Fotostudio Wilke

Ille C. Gebeshuber ist Physikerin mit den Arbeitsschwerpunkten Nanophysik und Bionik. Von 2009 bis 2015 war Ille Gebeshuber Professorin am Institute of Microengineering and Nanoelectronics (IMEN) der Nationalen Universität Malaysia; seit 2016 ist sie als Professorin am Institut für Angewandte Physik (IAP) an der TU Wien tätig. 2017 wurde Ille C. Gebeshuber als Österreicher des Jahres (m/w) in der Kategorie Forschung ausgezeichnet. Im Jahr 2018 erhielt sie den Look! Business Award im Bereich Mint Industries.

Bionik – Was wissensdurstige Schlaufüchse von Tieren, Pflanzen und Mikroorganismen für eine bessere Technik lernen können

Man muss sich ja mit vielen Problemen rumschlagen. Und manchmal scheint es so, als ob es keine Lösung gibt. Manchmal hilft drüberschlafen, und in der Nacht haben wir die besten Ideen – da hilft es immer, einen Notizblock und einen Zettel beim Bett liegen zu haben, damit wir die Ideen schnell aufschreiben, bevor wir sie vergessen (das Handy lassen wir besser augeschaltet in der Nacht). Manchmal hilft es aber auch, nach draußen zu gehen, in die belebte Natur, und mit offenen Ohren, Augen und Nase bereit zu sein für Lösungen, die es vielleicht schon seit Jahrtausenden gibt – allerdings vielleicht in einem kleinen Pilz, oder einem Schmetterlingsflügel. Und manchmal, ja manchmal, kommen wir beim Träumen und Schauen und Staunen in der belebten Natur auf Phänomene drauf, die Lösungen sind und Fragen beantworten, die wir uns gar nicht zu stellen wagten! Zum Beispiel Schmetterlingsflügel, die immer schön kühl bleiben, selbst am heißesten Tropentag. Von denen wir viel über passive Kühlung von Häusern lernen können.


Prof. DDr. Martin Grassberger

Sigmund-Freud-Universität Wien und Department für Evolutionäre Anthropologie, Universität Wien

Foto: privat

Martin Grassberger ist Biologe und Facharzt für Gerichtsmedizin. Er ist Inhaber des Lehrstuhls für Gerichtsmedizin an der Sigmund-Freud-Universität Wien und wissenschaftlicher Leiter der Österreichischen Akademie für Misshandlungsmedizin. Er lehrt unter anderem an der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien und an der Medizinischen Fakultät der Sigmund Freud Universität Wien in den Fachgebieten allgemeine Biologie, Anthropologie, Evolutionäre Medizin, Forensische Medizin und Pathologie. Zuletzt im Residenzverlag erschienen: „Das leise Sterben: Warum wir eine landwirtschaftliche Revolution brauchen, um eine gesunde Zukunft zu haben“ (Wissenschaftsbuch des Jahres 2020 in der Kategorie Naturwissenschaft/Technik).

Das leise Sterben

Umweltverschmutzung, Artenschwund und industrielle Landwirtschaft korrelieren mit der Zunahme von chronischen Erkrankungen, wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Autoimmunerkrankungen, Parkinson und Allergien beim Menschen. Während des letzten Jahrzehnts geriet in diesem Zusammenhang das sogenannte Mikrobiom sowohl in den wissenschaftlichen als auch in den öffentlichen Fokus. Auch der Homo sapiens ist demnach ein Metaorganismus oder "Holobiont", also ein eukaryoter Wirtsorganismus mit unzähligen mit ihm zusammenlebenden Prokaryoten. Diese Mikroben beeinflussen uns und unsere Umwelt auf beeindruckende Art und Weise. Nicht zuletzt für die "Gesundheit" von Menschen, Pflanzen, Böden und ganzen Ökosystemen spielen diese kleinsten Lebewesen eine herausragende lebenserhaltende Rolle. Wie kann es gelingen, Auswege aus dieser gegenwärtigen globalen Gesundheits- und Umweltkrise zu finden?


Prof.in Dr.in Irmgard Greilhuber

Department für Botanik und Biodiversitätsforschung, Universität Wien

Foto: Skokanitsch Fotografie

Irmgard Krisai-Greilhuber ist Professorin am Department für Botanik und Biodiversitätsforschung der Universität Wien und Präsidentin der Mykologischen Gesellschaft Österreich. Bei ihrem Citizen Science Projekt „Pilzfinder“ können Interessierte Pilzbeobachtungen eintragen, in der Pilzfinder Community aktiv sein, über Pilze lernen und zur Erforschung der Verbreitung der Pilze beitragen.

PILZFINDER – Pilze in Österreich suchen, fotografieren, dokumentieren und zur Biodiversitätsforschung beitragen

Die Mitarbeit von Citizen Scientists verbessert die Erforschung der Verbreitung der aktuell in Österreich vorkommenden Pilzarten und die Erfassung der Veränderungen der Pilzwelt. Denn Pilze reagieren unmittelbar auf die wörtlich verrückte Temperaturentwicklung.

Wie kann man mitforschen?
Pilze im Freien aufspüren und fotografieren. Den Fundort der Pilze auf der interaktiven Karte der Onlineplattform Pilzfinder.at suchen, die Fotos hochladen und mit Kommentaren zur Umgebung ergänzen.

Was passiert mit den Beiträgen der Citizen Scientists?       
Die Fotos sind alle online im Pilzfinder. Sie werden gesichtet und die Pilze nach Möglichkeit bestimmt. Die sicher bestimmten Pilze werden in die Datensammlung der Österreichischen Mykologischen Gesellschaft aufgenommen und fließen damit in die mykologische Forschung und in wissenschaftliche Publikationen ein.


Dr. Angela Kallhoff

Institut für Philosophie der Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft, Universität Wien

Angela Kallhoff ist Philosophin und Professorin für Ethik mit besonderer Berücksichtigung von angewandter Ethik an der Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft der Universität Wien.
Ihre Forschungsschwerpunkte liegen auf Ethik mit den Schwerpunkten Systematik und Ethik der Antike, Ökologische Ethik, Technikethik, sowie Politische Philosophie und Philosophie der politischen Ökonomie. Die Bedeutung ihres Themengebiets steige zunehmend, so Dr. Kallhof, „es werden brandaktuelle globale Fragestellungen wie etwa die Klimaproblematik oder die gentechnische Veränderung von Pflanzen diskutiert“.

Kollektives Handeln für Klimaziele

Der mitunter größte Fehler in den Vorschlägen für Klima-Politik besteht darin, Ziele durch Regulierungen oder Veränderungen der ökonomischen Praxis erreichen zu können. Fakt ist, dass nur ein konzertiertes und kollekties Handeln zur Erreichung von Klimazielen führen kann. In diesem Kurzvortrag wird erklärt, welche theoretischen Ressourcen die Philosophie dafür zur Verfügung stellen kann. Vor allem geht es um eine Art und Weise, das Problem "Klimahandeln" neu zu denken.


Prof. Dr. Georg Kaser

Institut für Atmosphären- und Kryosphärenwissenschaften, Universität Innsbruck

Foto: Daniela Brugger

Georg Kaser ist ein Südtiroler Glaziologe und gilt als einer der einflussreichsten Klimaforscher weltweit. Er arbeitete zweimal als Leitautor und derzeit als „Review Editor“ in insgesamt 3 Berichtszyklen des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) mit, dem Weltklimarat der Vereinten Nationen, dem 2007 gemeinsam mit Al Gore der Friedensnobelpreis verliehen wurde. Sein Forschungsinteresse liegt in der Massen- und Energiebilanz von Gletschern, in Klimafluktuationen und Gletschern, in der Glaziologie, Klimatologie und Hydrologie tropischer Bergregionen und in globalen Massenänderungen von Gletschern und deren Treibern. 2017 wurde Georg Kaser in die Österreichische Akademie der Wissenschaften gewählt.

Kurswechsel 1,5°C – Weltklima und Klimapolitik

Der Impuls-Vortrag versucht, ein paar grundlegende Mechanismen des Klimawandels zu erklären, den heutigen Zustand des Klimasystems zu beschreiben und den Klimawandel und dessen Folgen sowie Handlungsstrategien zum Einhalt zu skizzieren.


Dr. Hjalmar Kuehl und Mimi Arandjelovic, PhD

Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig

Hjalmar Kühl ist ein Ökologe und Primatologe, der sich in seiner Forschung seit 20 Jahren mit Fragen des Naturschutzes und der Entstehung von Vielfalt in Menschenaffen beschäftigt. Ein großer Schwerpunkt seiner Arbeit ist dabei das Pan African Programme (http://panafrican.eva.mpg.de), das die Grundlage für das Citizen Science Projekt Chimp&See darstellt. Dabei geht es um die Frage wie Vielfalt in unseren nächsten Verwandten, den Schimpansen, evolutionär entstanden ist und zwar über die verschiedenen Ebenen biologischer Organisation hinweg – von der genetischen und Mikrobiom Vielfalt, sozialer und demografischer Struktur, bis hin zu Verhalten und Kultur. In einem zweiten großen Schwerpunkt geht es um die Frage des Schutzes von Menschenaffen und wie die letzten freilebenden Populationen am besten geschützt werden können.

Mimi Arandjelovic ist Biologin mit einem Forschungsschwerpunkt in molekularer Ökologie von Primaten und Naturschutzbiologie. Zwischen 2012-2018 koordinierte sie die Datenaufnahme für das Pan African Programme: The Cultured Chimpanzee (PanAf), mit dem an über 50 Standorten in Afrika Daten über Schimpansen  aufgenommen wurden. Seit dem Abschluss der Datenaufnahme koordiniert sie die PanAf Forschungsprojekte zu Genetik, Genomik und Mikrobiom von Schimpansen, sowie das Citizen Science Projekt Chimp&See und die Plattform zur automatisierten Erkennung von Arten aus Aufnahmen von Kamerafallen, ZambaCloud. In ihrer momentanen Forschung beschäftigt sie sich mit der Entwicklung von kostengünstigen und effizienten Methoden für das Monitoring von Biodiversität.  

Wie Citizen Scientists mit Chimp&See die Forschung an freilebenden Schimpansen unterstützen

Durch unsere enge evolutionäre Verwandtschaft mit Schimpansen werden sie in der Wissenschaft als Modell für ein besseres Verständnis der menschlichen Evolution genutzt. Schimpansen im Freiland zu erforschen ist sehr faszinierend, aber auch aufwendig. Über die Citizen Science Plattform Chimp&See (www.chimpandsee.org), können Bürgerwissenschaftler*innen aus aller Welt einen Einblick in das Leben von Schimpansen und ihrer Umwelt bekommen und helfen dabei Wissenschaftler*innen große Datenmengen auszuwerten, die durch das Pan African Programme an 40 Standorten im äquatorialen Afrika erhoben wurden. Der Vortrag wird einen Überblick über Chimp&See geben und aufzeigen, wie wertvoll die Mithilfe von Bürgerwissenschaftler*innen bei der Erforschung unserer nächsten Verwandten ist.


Dr.in Linde Morawetz

Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES)

Linde Morawetz hat Zoologie an der Universität Wien studiert und sich schon während des Studiums auf Bienen spezialisiert. Dabei hatte sie sowohl mit tropischen Bienen, als auch mit unseren einheimischen Bienen wie den Hummeln und der Honigbiene gearbeitet. Inzwischen arbeitet Linde Morawetz an der AGES in der Abteilung für Bienenkunde und Bienenschutz und betreut Projekte zur Gesundheit der Honigbiene. Im Zuge dieser Projekte arbeitet sie eng mit Imker*innen zusammen, um von ihrer Erfahrung mit Bienen zu lernen und ihnen gleichzeitig Erkenntnisse über die Bienengesundheit näherzubringen.

Gemeinsam mit Imkern gegen Bienenviren

Die letzten Monate haben uns die weltweite Bedeutung von Viren für unser Leben und vor allem die Gefahr, die von ihnen ausgehen kann, eindrücklich unter Beweis gestellt. Auch Honigbienen können an speziellen Bienenviren erkranken und in der Folge daran sterben. Doch nicht immer löst ein Bienenvirus auch eine sogenannte Virose aus. In vielen Fällen sind die Viren zwar in geringer Konzentration im Volk vorhanden, aber dieses sieht trotzdem normal und gesund aus. Zusammen mit österreichischen Imker*innen untersuchen wir von der Abteilung für Bienenkunde und Bienenschutz der AGES, welche Virusarten und -konzentrationen gefährlich für Bienenvölker sind und wie Imker*innen gefährliche Erkrankungen ihrer Völker früh erkennen und bekämpfen können.


Dr.in Elisabeth Oberzaucher

Universität Wien, TU Wien, Universität für Angewandte Kunst

Foto: Sabine Oberzaucher

Elisabeth Oberzaucher ist Verhaltensbiologin mit den Forschungsschwerpunkten Mensch-Umwelt-Interaktionen, nonverbale Kommunikation sowie evolutionäre Gender Studies. 2017-18 Professorin für Gleichstellung, Adaptität und Vielfalt an der Universität Ulm. Sie forscht und lehrt an der Universität Wien, der TU Wien und der Universität für Angewandte Kunst, leitet das Forschungsinstitut Urban Human, und ist Vizepräsidentin der International Society for Human Ethology. Ihr Buch „Homo urbanus, ein evolutionsbiologischer Blick in die Zukunft der Städte“ wurde als Wissenschaftsbuch des Jahres 2018 nominiert.
www.oberzaucher.eu

Wie ich gerne leben möchte – eine Stadt ganz nach meinem Geschmack

Bereits heute leben mehr Menschen in Städten als auf dem Land. Und es ziehen immer mehr Leute in die Stadt, obwohl das Leben dort vielleicht nicht ganz so angenehm ist wie das Landleben. Was muss eine Stadt können, damit wir uns dort wohlfühlen? Warum fehlt uns die Natur in der Stadt? Wie würdet ihr gerne leben, was braucht ihr unbedingt und worauf könnt ihr u.U. verzichten? Woher kommt es, dass wir manche Dinge ganz besonders schön finden? Wir schauen ganz weit in die Evolutionsgeschichte zurück, um mögliche Antworten zu finden.


Dr.in Silke Schweiger

Naturhistorisches Musem Wien

Foto: Georg Gassner

Silke Schweiger ist Zoologin und arbeitet als Kuratorin und wissenschaftliche Mitarbeiterin im Naturhistorischen Museum (NHM) Wien, wo sie die Sammlung für Amphibien und Reptilien leitet. Neben der Erforschung der Herpetofauna, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf Schlangen liegt, setzt sie sich auch für den Schutz dieser Tierarten ein. Gemeinsam mit Kolleg*innen führt sie auch die Verbreitungsdatenbank heimischer Amphibien und Reptilien.

Amphibien und Reptilien in Österreich unter Beobachtung

Seit mehr als 35 Jahren werden vom Naturhistorischen Museum Wien Daten zur Verbreitung von heimischen Amphibien und Reptilien gesammelt. Neben Daten die aus Kartierungsprojekten und der Auswertung von wissenschaftlichen Arbeiten stammen, werden auch Citizen Scientists in die Datenaufnahme einbezogen. Sie haben die Möglichkeit ihre Beobachtungen auf einer Online Plattform zu posten oder sie per Mail an das Museum zu schicken. Die Datenbank enthält derzeit 120.000 Datensätze, ungefähr 20.000 Beobachtungen stammen von Citizen Scientists. Die Daten werden z. B. für Publikationen, Vorträge, Verbreitungsatlanten und Umweltverfahren verwendet und stellen so auch einen wertvollen Beitrag zum Schutz der in Österreich streng geschützten Amphibien- und Reptilienarten dar.


Moderator

DI Mag. Bernhard Weingartner

Foto: Flausen

Bekannt ist Bernhard Weingartner als Initiator und Moderator des Science Slams in Österreich. Der Physiker unterrichtet Wissenschaftskommunikation an der TU Wien, sowie an der UAK Wien. Außerdem coacht er Lehrende an Universitäten und Schulen, schreibt populärwissenschaftliche Bücher, hält regelmäßig Vorträge zu aktuellen naturwissenschaftlichen Themen und leitet das Projekt physikmobil.at zur Nachwuchsförderung im öffentlichen Raum.